AfD bei Gegendemo: Fußtritte statt Dialog

AfD-Landessprecher Robert Lambrou beim Versuch eines Dialogs mit Demonstranten und DGB-Funktionären.

Wiesbaden (19. August 2018). Mit politischen Gegnern ins Gespräch zu kommen war für die beiden AfD-Landesvorsitzenden Robert Lambrou und Klaus Herrmann vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof praktisch unmöglich. Beide suchten vergeblich den Dialog mit Demonstranten und Landtagsabgeordneten bei der Kundgebung des linken Bündnisses „Keine AfD in den Landtag“. Stattdessen wurden sie vor laufenden Fernsehkameras umzingelt, bedrängt, beschimpft, beleidigt, geschubst und gegen das Schienbein getreten.

Unter Polizeischutz konnten sie nach den anfänglichen Tumulten dennoch vor Ort bleiben und verharrten standhaft auf dem Bahnhofsvorplatz, neben der Lkw-Kundgebungsbühne mit einer Handvoll weiterer Parteifreunde. Inzwischen gab es mehrere Ordner des Veranstalters, die von sich aus die aggressiven AfD-Gegner zur Mäßigung ermahnten und zurückhielten. „Wir haben uns jedenfalls nicht vertreiben lassen, auch wenn das nachher in einigen Medien so dargestellt wurde“, betonte Herrmann.

Die beiden Landesvorsitzenden hatten ihren Besuch öffentlich angekündigt. Vor Ort wurden sie zunächst gar nicht erkannt. Erst als sie Journalisten Interviews gaben, wurden sie entdeckt, sofort mit Protestplakaten umstellt und mit lautstarken Tröten und Trillerpfeifen traktiert. „Wir wollten als echte Demokraten einfach nur zuhören und mit einzelnen Teilnehmern oder den anwesenden Abgeordneten von SPD, Grünen und Linken reden“, sagt Herrmann und Lambrou bedauert: „Es ist unverständlich warum uns dort zum Teil so

Nach dem Interview vermied Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) das Gespräch mit AfD-Landessprecher Klaus Herrmann und wandte sich nach rechts ab.

ein blanker Hass entgegenschlug und keiner zu einem echten Dialog bereit war.“ Beide Landessprecher zeigten sich erleichtert, dass zumindest CDU und FDP von vornherein eine Teilnahme an der umstrittenen Kundgebung abgelehnt hatten, die maßgeblich vom DGB und der Linkspartei organisiert worden war.

Sie kritisierten erneut das Bündnis „Keine AfD in den Landtag“. Schon dieses Motto signalisiere „ein merkwürdiges Demokratieverständnis“, meinte Lambrou. Schließlich sei es die von allen zu respektierende Entscheidung der Wähler am 28. Oktober 2018 zu bestimmen, wer künftig im Landtag sitzen wird. Ohne Rempeleien oder Proteste konnte die AfD am selben Tag, nur wenige Stunden später in Wiesbaden-Erbenheim, in die heiße Phase des hessischen Wahlkampfs starten.