Georg Pazderski: „Hessen braucht starke bürgerliche Opposition“

AfD-Wahlkampfveranstaltung in der Stadthalle Gelnhausen mit Parteivize Pazderski und Guido Reil als Gastredner

Jan Nolte, Mariana Harder-Kühnel, Georg Pazderski, Guido Reil (l.n.r.)

Georg Pazderski

Gelnhausen (18. September 2018). „Die Angst der anderen Parteien vor einem noch größeren Einfluss der AfD sitzt tief“, erklärte der stellvertretende Bundesvorsitzende Georg Pazderski vor rund 300 Zuhörern einer Wahlkampfveranstaltung in der Stadthalle Gelnhausen. Aber Hessen brauche „eine starke bürgerliche Opposition, die das Ruder herumreißt“ und die AfD sei dafür genau die richtige „neue bürgerliche Volkspartei“. Bei Umfragewerten von 15 Prozent bezweifelt auch niemand mehr den bevorstehenden Wahlerfolg der AfD bei der Landtagswahl am 28. Oktober. Die „wirtschaftsfreundliche FDP“ wäre als Koalitionspartner der CDU für Hessen ebenso schädlich, wie das derzeitige „Durchwursteln“ der schwarz-grünen Landesregierung, betonte Pazderski.

„Ich komme aus dem Zentrum des Wahnsinns – aus Berlin“, schilderte er die desolate Situation in der Hauptstadt, wo er Fraktionschef im Abgeordnetenhaus ist. Die Stadt werde seit 29 Jahren, trotz der auf 17 Prozent gesunkenen Zustimmungswerte, von der SPD regiert. Derzeit in einem rot-rot-grünen Bündnis. Die Folge: Ungelöste Clan-Kriminalität, eine Verwaltung bei der man Monate auf eine Kfz-Zulassung oder einen Standesamtstermin warten müsse, Drogenprobleme und ein immer noch nicht eröffneter neuer Flughafen, der bereits 5,8 Milliarden Euro verschlungen habe und täglich weitere 1,4 Millionen Euro koste.

Guido Reil

Zudem leide Berlin unter einem desolaten Bildungssystem, weswegen bereits 51.000 Kinder von gut verdienenden Eltern auf Privatschulen geschickt würden, damit sie richtig lesen, schreiben und rechnen lernten, sagte Pazderski, der einst in Hessen studierte und dort zwölf Jahre beruflich tätig war. In Berlin gebe es 450.000 Analphabeten. Wegen der Zuschüsse im Länderfinanzausgleich ziehe Berlin sogar das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands herunter, während andere europäische Hauptstädte die Staatsfinanzen stärkten. „Bund und Länder sollen aufhören Geldgeschenke an rote und grüne Lobbys zu verteilen“, forderte der Berliner Parteivorsitzende, der nach 41 Jahren als Berufssoldat im Rang eines Oberst im Generalstab 2012 aus dem Dienst ausgeschieden war und in die Politik ging.

Mit einem „Glückauf Gelnhausen“ begrüßte das AfD-Bundesvorstandsmitglied Guido Reil die Zuhörer und spielte damit auf seine Herkunft aus dem „Kohlenpott“ Nordrhein-Westfalen an. Dort hatte er im Bergbau gearbeitet, war Gewerkschafter und Betriebsrat sowie 26 Jahre Mitglied der SPD. Sein Wechsel zur AfD hatte in den Medien für große Aufmerksamkeit gesorgt. Die typischen AfD-Wähler seien „die 40- bis 60-Jährigen Malocher“, betonte er und fügte hinzu: „Die Arbeiter waren noch nie links.“ Aber die Gewerkschaften seien, wie die Kirchen, „korrupt und verlogen“ und verspielten das Vertrauen ihrer Mitglieder. Entgegen den Interessen der Arbeiterschaft habe die Gewerkschaft zuerst die Energiewende von Kanzlerin Angela Merkel unterstützt und derzeit fördere die IG Metall „den Niedergang der deutschen Automobilindustrie“. Gleichzeitig würden die Bürger „ausgeraubt“ durch die Nullzinspolitik und den Reallohnverlust der vergangenen Jahre, kritisierte Reil unter starkem Beifall.

Dr. Dr. Rainer Rahn

Der hessische Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Rainer Rahn, betonte, mit ironischem Blick auf die überschaubare Gegendemo „bunter Bündnisse“ vor der Stadthalle, dass der Landtag nach der Wahl mit der neuen AfD-Fraktion „vielfältiger und bunter“ sein werde. In der rund zehnjährigen Amtszeit von Thorsten Schäfer-Gümbel als Parteichef, habe dessen SPD 40 Prozent der Wähler verloren. Heftig kritisierte Rahn die hessische Bildungspolitik und meinte: „Chancengleichheit gibt es nur im Lotto, aber nicht im Bildungssystem.“ Jeder Schüler müsse nach seiner unterschiedlichen Begabung gefördert werden. Unter Beifall forderte er ein Deutschland ohne Merkel und ein Hessen ohne CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier.

Jan Nolte und Mariana Harder-Kühnel

Die Moderation des Abends hatten die hessischen Bundestagsabgeordneten Mariana Harder-Kühnel und Jan Nolte übernommen. Störungen gab es bei der Veranstaltung nicht. Die Polizei hatte die Gegendemonstranten abseits der Stadthalle auf sichere Distanz gehalten.