Offener Brief eines Mitglieds von Eintracht Frankfurt und der AfD an Peter Fischer

 

Michael Goebel. Mitglied bei Eintracht Frankfurt und der AfD.

 

Frankfurt am Main, den 30. Januar 2018

Offener Brief an

Herrn
Peter Fischer
Präsidenten
Eintracht Frankfurt

Sehr geehrter Herr Fischer,

ich bin schon mehrere Jahre Mitglied bei der Fan- und Förderabteilung von Eintracht Frankfurt und ich bin auch Mitglied bei der Alternative für Deutschland. Sie haben sich vorgestern erneut gegen Antisemitismus und Rassismus positioniert und einen, in gewissen Umfang geänderten Kontext, zur AfD gezogen. Das finde ich in dieser Form sehr schade.

Wenn Sie unsere teilnehmenden Mitglieder bemerkt hätten, wären Sie sicher verwundert gewesen. Bei vielen Aussagen zu diesem Thema haben Sie auch unsere Meinung getroffen.

Antisemitismus ist eine der schlimmsten Formen menschlichen Umgangs mit Mitmenschen. Es ist nur schade, dass Sie den Vorwurf des Antisemitismus einerseits blind und mit undifferenzierter Wiederholung einzelner Zitate populistisch auf alle AfD-Mitglieder beziehen, andererseits vor der Erkenntnis, dass dieser an anderer Stelle gepflegt wird, die Augen anscheinend verschließen.

Trennen Sie etwa zwischen „guten“ und „schlechten“ Antisemitismus? Warum kommen Sie in diesem Zusammenhang nicht auf diese unsäglichen Sprechchöre zu sprechen, in denen 2014 und 2017 auf palästinensischen Demonstrationen die Wiederholung abscheulichster Nazi-Verbrechen gefordert wurde?

Übrigens wurden die Demos nach Presseberichten von arabischen und linksradikalen Unterstützern begleitet. Diese Nachrichten haben mich zutiefst gegenüber unseren Freunden der jüdischen Gemeinde beschämt. Für Sie ist das in diesem Zusammenhang keine Erwähnung wert. Ist darin politisches Kalkül zu sehen?

Rassismus wird heutzutage mit inflationären Bedeutungen überfrachtet. Jegliche Kritik an eingetretenen Zuständen soll damit unter den Teppich gekehrt werden. Ich weiß jedoch noch wie in den 1970er Jahren bei Spielen gegen Kickers Offenbach bei jeder Aktion des Spielers Erwin Kostedde in Schmähgesängen vom „Zigeuner“ gesungen wurde.

Oder die Ausfälle von Fans von Eintracht Frankfurt 1989 während der Spiele gegen Saarbrücken, als Anthony Yeboah rassistisch beleidigt wurde. Badesalz hatte dies viel zu humoristisch aufbereitet.

Ich habe mich als Eintracht-Fan damals sehr fremdgeschämt. Und damals waren es sicherlich keine AfD-Mitglieder. Warum werden diese im Sport üblichen Rassismen nicht benannt?

Letztendlich führen Ihre Bewertungen, was an der AfD alles „Nazi“ sein soll, zu einer Verniedlichung all der Verbrechen die im Namen des Nationalsozialismus und des Internationalsozialismus, von links- und rechtsradikalen verübt wurden und noch verübt werden.

Ich distanziere mich in jeder Form von aller rechtsradikalen, linksradikalen und politisch motivierter Gewalt gegen Sachen und Personen. Wollen Sie nicht so weit gehen?

Immerhin haben Sie vorgestern vernünftiger Weise von Ihrer „Gesinnungsprüfung“ Abstand genommen. Dies wäre in einer Demokratie wohl auch ein einmaliger Vorgang gewesen.

Die von Ihnen in diesem Zusammenhang geforderte Selbstüberprüfung der AfD-Mitglieder, habe ich für mich übrigens schon vor Jahren durchgeführt und gestern am Sonntag nach der Mitgliederversammlung nochmals überprüft.

Als Ergebnis habe ich hier absolut keine Probleme oder Gegensätze gefunden. Mein Problem ist nicht die Satzung von Eintracht Frankfurt mit ihren Forderungen an die Einstellung der Mitglieder. Mein Problem ist die Amtsführung des Präsidenten von Eintracht Frankfurt.

Zuletzt ist Ihr Vorwurf, das Programm der AfD würde nicht die Zielsetzungen der Partei widerspiegeln, haltlos. Für meine Freunde und mich sind die dort genannten Ziele verbindlich.

Nur weil ich mit den Zielen die größtmögliche Übereinstimmung unter allen Parteien in Deutschland habe, bin ich überhaupt in die AfD eingetreten. Ich wäre sehr daran interessiert, zu hören, in welchen Parteien Ihres politischen Lebens, Sie die von mir abweichenden Erfahrungen gemacht haben.

Abschließend möchte ich noch bemerken, dass ich Ihnen das vorgestern auch gerne alles persönlich am Rednerpult gesagt hätte. Die von Ihnen erzeugte Stimmung ließ aber nicht erwarten, dass der weitaus überwiegende Teil der Mitglieder zu diesem Thema aufnahme- oder diskussionsbereit gewesen wäre. Deshalb schreibe ich Ihnen lieber diesen offenen Brief.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Goebel